Menschen sind Traglinge – warum Tragen so wertvoll ist?

Ganz nah bei Mama oder Papa fühlen sich unsere kleinen Traglinge geliebt, geborgen und sicher. Sie spüren die Körperwärme, den Herzschlag und das sanfte Hin- und Herschaukeln beruhigt sie. Doch was bedeutet überhaupt „Tragling“ und warum ist Tragen so wertvoll? Hier ein kleiner Einblick über diese ganz besondere Kuschelzeit.

Der Begriff „Tragling“

Menschenbabys sind physiologische Frühgeburten und daran angepasst, mitgenommen/getragen zu werden. Der Begriff „Tragling“ wurden von dem Verhaltensbiologen Bernhard Hassenstein (1970) geprägt. Aufgrund der evolutionsbiologischen Verhaltensmerkmale von Menschenbabys zählt er sie zu den Jungtypen Traglinge und verweist auf folgende Merkmale: den Greifreflex, der automatische Klammreflex, beim Heben automatisch angezogene Beinchen, sowie die Anhock-Spreiz-Haltung.

Die vielen Vorteile

Tragen ist nicht nur Steinzeitkram, sondern auch heute ist es wichtig Babys zu tragen. Ihre Temperatur muss reguliert werden, sowie die Atmung, der Blutdruck und die Herztätigkeit. Menschenbabys können sich nach der Geburt nicht selbstständig fortbewegen, sie reagieren mit Weinen, wenn sie verlassen werden und die Sinnesorgane sind noch unreif. Babys sind daher auf Nähe und Geborgenheit von Bezugspersonen angewiesen. Tragen schenkt ihnen diese Nähe und Geborgenheit, ermöglicht eine Kommunikation auf Augenhöhe, unterstützt den Gleichgewichtssinn, die Körperwahrnehmung und die motorische Entwicklung.

Bindung zueinander

Babys haben sich während der gesamten Schwangerschaft an ihr geborgenes Umfeld im Mutterleib gewöhnt – die Wärme, die Enge, der Herzschlag der Mutter und die vertrauten Stimmen. Tragen schafft eine Form der Nähe und Geborgenheit. Es sieht, riecht und spürt ihre Bezugsperson und entwickelt dabei Vertrauen. Durch den Körperkontakt wird die Ausschüttung von Hormonen stimuliert, die eine beruhigende Wirkung haben. Tragen reduziert Weinen und Unruhe.

Nicht nur für das Baby ist das Tragen wertvoll und ein wichtiger Prozess, denn auch Bezugspersonen profitieren davon. Durch das Tragen des Babys direkt am Herz wird das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet und stärkt die Bindung zueinander.  Tragen ermöglicht es vor allem Papas und anderen Bezugspersonen, Kontakt und Bindung mit dem Baby aufzubauen.

Motorische Entwicklung

Eng am Körper gekuschelt nimmt das Baby jede Bewegung wahr. Beim Tragen werden durch die permanenten Bewegungen Gleichgewichtsreaktionen (Ausgleichsbewegungen) hervorgerufen. Jeder Schritt führt also zu minimalen Muskelanspannung im Körper des Babys. Die Muskulatur wird trainiert, die Knochen gestärkt und das Gleichgewichtssystem geschult – dies sind wichtige Grundvoraussetzungen um später eigene Bewegungen ausführen zu können.

Babys reagieren auf Reizwahrnehmung. Durch den gleichmäßigen, sanften Druck auf den eigenen Körpern lernt das Baby seinen Körper leichter wahrzunehmen. Tragen stärkt somit die Körperwahrnehmung. Die Enge im Tragetuch hilft Körpergrenzen wahrzunehmen und Babys spüren wo ihre Körperteile beginnen und aufhören. Ein gutes Körperbewusstsein ist nicht nur wichtig für die Motorik, es steigert das Vertrauen in sich selbst und somit das Selbstbewusstsein.

Anhock-Spreiz-Haltung und Wirbelsäulenentwicklung

Hebst du dein Baby hoch, nimmt es automatisch die perfekte Tragehaltung ein – die Knie sind leicht geöffnet und die Beinchen angezogen. Babys werden aufrecht und immer zu sich gewandt getragen. Beim Tragen ist der Rücken rund und die Beinchen leicht angezogen. Dies hat ergonomische Vorteile. Durch die angezogenen Beinchen, die in der Fachsprache als Anhock-Spreiz-Haltung definiert ist, wird eine gesunde Hüftentwicklung gefördert.

Der Rundrücken von Babys ist ans Tragen angepasst und die Wirbelsäule streckt sich erst langsam, von ganz alleine. Ein Tragetuch passt sich am Körper des Babys an und gibt der Wirbelsäule somit Halt und Stabilität.

Für die optimale Unterstützung der Hüftentwicklung und der Wirbelsäule ist eine richtige Bindeweise ausschlaggebend.

Kommunikation auf Augenhöhe

Getragene Babys entdecken die Welt auf Augenhöhe. Dies schafft Kommunikation auf einer Ebene und ermöglicht dabei, mit dem Baby ganz schnell in Kontakt zu treten. Du schenkst ihm dabei Geborgenheit und verhinderst somit, dass sich dein Baby alleine oder verlassen fühlt.

Und zu guter Letzt sind Babys ideale Beobachter. Sie sehen was die Großen machen, wie sie sich verhalten, welche Mimik und Gestik sie haben und wie sie sich bewegen. Babys schauen sich unendlich viel von anderen Menschen ab und bekommen durch die anregende Umgebung in der aufrechten Position beim Tagen Lernreize.

Unterstützung im Alltag

Ob Indoor oder Outdoor, das Tragen ist im Alltag eine große Unterstützung. Es ermöglicht dir Flexibilität, denn du hast beide Hände frei. Es befreit dich von täglichen Bewegungsbarrieren und schenkt dir Mobilität. Tragen hält dich fit und kann bei richtiger Anwendung deinen Rücken stärken. Es gibt bereits postnatale Sportangebote, die auf Mamas mit Baby im Tragetuch oder in der Trage abgestimmt sind.

Ein Tragetuch oder eine Trage ist leicht eingepackt und verschafft viele Freiheiten. Du hast die Möglichkeit nebenbei noch andere Dinge zu erledigen und bleibst deinem Baby trotzdem ganz nah.

Alle Gedanken kurz zusammengefasst

Menschenbabys wollen getragen werden und bringen von sich aus die perfekte Tragehaltung mit – der Rücken ist rund, die Knie sind leicht geöffnet und die Beinchen angezogen. Bei richtiger Bindetechnik wird dabei die Hüftentwicklung sowie die Wirbelsäule optimal unterstützt. Tragen fördert wichtige Grundvoraussetzungen für die motorische Entwicklung. Die Enge in der Tragehilfe stärkt die Körperwahrnehmung und hilft dem Baby ein Verständnis für den eigenen Körper zu bekommen. Durch die permanente Bewegungsimpulse werden Ausgleichsbewegungen hervorgerufen – Knochen werden gestärkt, Muskeln trainiert und das Gleichgewichtssystem angeregt.

Getragene Babys kommunizieren mit ihren Mitmenschen auf Augenhöhe und entdecken dabei die Welt. Wichtig ist, dass du dein Baby immer aufrecht und zu dich gewandt trägst. Reizüberflutung kann dabei vermindern werden und dein Baby kann sich jeder Zeit den Schutz bei dir suchen. Tragen kann auch eine Unterstützung für dich im Alltag sein, denn du hast beide Hände frei und dies verschafft dir viele Freiheiten. Du bleibst deinem Baby trotzdem nah und schenkst ihm die Nähe und die Geborgenheit, die es braucht.

Babys brauchen Körperkontakt und das Tragen ist ein optimales Tool dafür. Der vertraute Herzschlag der Mama oder die vertraute Stimme vom Papa beruhigen Babys und schenken ihnen Sicherheit. Sie sehen, riechen und spüren ihre Bezugsperson. Ganz nah bei Mama oder Papa fühlen sich unsere Traglinge geborgen und vor allem geliebt.

FEY – K&M